Qusai Masharqa: Vom Maschinenbau-Studenten zum Projektleiter mit gerade einmal 30 Jahren
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Ein früher Morgen in Würzburg
Mit 30 Jahren koordiniert Qusai Masharqa internationale Teams und arbeitet für Kunden wie Tesla, Stellantis N.V. und die Ford Motor Company. An diesem Morgen sitzen wir in einem kleinen Café in Würzburg. Draußen ist es bitterkalt, drinnen bleibt nicht viel Zeit – gleich muss er weiter zur Arbeit. Eine Tasse Kaffee, ein kurzer Moment der Ruhe. Dann beginnt er zu erzählen.
Qusai ist Alumnus der German Jordanian University (GJU), studierte dort Maschinenbau und ist heute Projektleiter bei der Brose Fahrzeugteile SE & Co. KG in Würzburg. Sein Karriereweg wirkt steil – und ist doch alles andere als selbstverständlich.
Der Weg nach Deutschland
Schon nach wenigen Minuten fällt mir auf, wie außergewöhnlich gut Qusai Deutsch spricht. So gut, dass ich mich als Muttersprachlerin kurz frage, ob ich ihm sprachlich wirklich überlegen bin. Seine Ausdrucksweise ist präzise, ruhig und reflektiert. Schnell wird klar: Sprache war für ihn nie nur Mittel zum Zweck.
Geboren wurde Qusai in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach der Schule versuchte er zunächst, dort einen Studienplatz zu bekommen. Dabei legte er großen Wert auf Qualität und internationale Anerkennung der Hochschule – selbst hohe Studiengebühren hätte er in Kauf genommen. Doch keine der Universitäten sagte ihm zu. Der Wendepunkt kam schließlich mit einem Tipp seines Vaters: die GJU in Jordanien.
An der GJU faszinierte Qusai vor allem das verpflichtende German Year. Die Kombination aus Theorie und Anwendung, Internationalität und Sprache überzeugte ihn sofort. Er wusste früh, dass ihm das Erlernen von Sprachen leichtfällt und er Freude daran hat, sich präzise und sicher auszudrücken. Bereits während des Studiums fiel er daher nicht nur durch seine fachlichen Leistungen im Maschinenbau auf, sondern ebenso durch sein ausgeprägtes Sprachtalent.
Sein erster Aufenthalt in Deutschland wurde durch ein Sprachstipendium ermöglicht. Einen Monat lang besuchte er Intensivkurse an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Der Ort selbst sagte ihm weniger zu, doch kehrte er mit einem deutlich erweiterten Wortschatz nach Jordanien zurück – so groß, dass er begann, sogar Verwandten Deutsch beizubringen.
In den Jahren 2014/2015 erhielt Qusai erneut ein Stipendium, angestoßen durch den heutigen Vizepräsidenten für Academic Excellence der GJU, Prof. Dr. Iyas Khader. Dieses Mal lag der Fokus klar auf der fachlichen Weiterentwicklung im Bereich Maschinenbau. In dieser Zeit lernte er mehrere deutsche Städte kennen, doch besonders Karlsruhe hinterließ einen bleibenden Eindruck. Nicht nur die Stadt selbst begeisterte ihn, sondern auch der spürbare Forschergeist, geprägt durch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Hochschullandschaft.
Zurück an der GJU wartete Qusai nicht ab. Eigeninitiativ ging er auf den damaligen Exchange Coordinator und heutigen Präsidenten der Universität, Prof. Dr. Prof. Ala’aldeen Al-Halhouli, zu und fragte, ob es möglich sei, innerhalb des bevorstehenden German Years ein Hochschulsemester in Karlsruhe zu absolvieren. Noch heute schwärmt Qusai von der engen Verzahnung von Theorie und Praxis, die er dort erleben durfte – insbesondere durch die zahlreichen Einblicke in Unternehmen.
Karriere in der Automobilbranche
Der nächste Schritt führte ihn nach Stuttgart. Bei der MAHLE GmbH spezialisierte er sich auf Kälte- und Klimatechnik in der Automobilbranche – ein Bereich, der ihn nachhaltig prägte und begeisterte.
„Meine Karriere verlief dann so, dass ich im Klimatechnikgeschäft von Konkurrenzfirma zu Konkurrenzfirma gewechselt bin“, erzählt er schmunzelnd. „Das beeindruckte Brose so sehr, dass sie mich direkt von der DENSO Corporation, dem zweitgrößten Automobilzulieferer weltweit, abwarben.“
Bei der DENSO Corporation absolvierte Qusai nebenberuflich sein Masterstudium und sammelte weitere wertvolle Erfahrungen als Projektingenieur. Schließlich führte ihn sein Weg von München nach Würzburg – nicht wegen der Stadt, sondern wegen der nächsten beruflichen Chance. Bei Brose erhielt er mit nur 26 Jahren die Möglichkeit, als Projektleiter in einem hochverantwortungsvollen Bereich zu arbeiten. Wenige Monate später wurde er zum Senior Projektleiter eines der größten Projekte des Unternehmens.
„Mit nur 30 Jahren habe ich die Gelegenheit bekommen, Kunden wie Tesla, Stellantis N.V. und die Ford Motor Company im Bereich der Klimatisierung ihrer Motoren zu unterstützen“, sagt Qusai. „Dabei koordiniere ich weltweit internationale Teams.“
Ein Satz, der bleibt
Gegen Ende unseres Gesprächs wird er nachdenklich.
„Weißt du, Lisa“, sagt er, „in Jordanien haben wir ein Sprichwort: Der Fremde ist blind. So wie du hier in Würzburg – du bist zum ersten Mal hier, nimmst alles intensiver wahr und musst dich selbst orientieren. Du bist gezwungen, Dinge eigenständig in die Hand zu nehmen.“ Genau so, erklärt er, habe er Deutschland erlebt – und so gehe es ihm bis heute, wenn er Neues lernt.
So ehrgeizig und gleichzeitig so bodenständig fasst Qusai seinen Werdegang schließlich mit einem einzigen Wort zusammen – einem Wort, das seine bescheidene Haltung perfekt widerspiegelt:
Al-Hamdulillah – von Gott gewollt / Gott sei Dank!
Lisa Westphal | Corporate Relations Manager

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